Waldbrandschutz durch Feuer?

Veröffentlicht auf von Ernst Koch

Feuerökologie
 
 
 
 
Waldbrand  
Waldbrand
© California Department of Water Resources


Für einige Bewohner des Waldes bedeutet das flammende Inferno den sicheren Tod. Aber im Großen und Ganzen bringen natürlich entstandene Feuer auch viele Vorteile für den Wald mit sich. Die folgenden Pflanzengenerationen wachsen im wahrsten Sinne des Wortes wie Phoenix aus der Asche.

Feuerökologen haben schon lange erkannt, dass Waldbrände nicht nur Zerstörer, sondern auch Erneuerer sind. Deshalb lautet ihre Devise "let it burn" (lasst es brennen). Und das hat seine Gründe: Waldbrände reduzieren das tote Material (Totholz, Laub, ...) im Wald, versorgen die Böden mit mineralreichen Nährstoffen, fördern das Keimen der Samen, sorgen für mehr Licht am Boden und dämmen die Massenvermehrung von Schädlingen ein.

Wissenschaftszweig Feuerökologie
Den Wissenschaftszweig der Feuerökologie gibt es seit den 70er Jahren. Die Waldbrandforschung in Deutschland wird dabei von dem Freiburger Professor Johann Georg Goldammer angeführt - einem der weltweit renommiertesten Feuerforscher überhaupt. Seit 1973 bekämpft er Waldgroßbrände. Die Wissenschaftler um Goldammer und Co erforschen die naturgemäße Rolle des Feuers in Wäldern, Buschländern und Savannen. Aber auch die verursachten Schäden, vor allem hinsichtlich des Weltklimas, werden untersucht. Durch die Einbeziehung des kulturgeschichtlichen Hintergrundes von Feuer, die Bedeutung der traditionellen Anwendung in der Landnutzung und die Kontrolle des Feuers durch den Menschen, entsteht eine differenzierte Betrachtung und ein neues Bild vom Waldbränden und Buschfeuern. Im Dienste der Wissenschaft werden dabei auch schon einmal ganze Wälder angezündet. Die so erhobenen Daten sollen ein Computerprogramm, das die Ausbreitung von Bränden genau berechnen kann, weiter verfeinern. In den letzten Jahren konnten durch die Forschungen der Feuerökologen viele Antworten auf bisher ungeklärte Fragen gefunden werden.

Global Fire Monitoring Center
Mit seiner "Arbeitsgruppe Feuerökologie" gründete Goldammer das "Global Fire Monitoring Center". Die Wissenschaftler beobachten mit Hilfe von Wettersatelliten die weltweiten Naturfeuer, sammeln täglich Daten, entschlüsseln sie und erstellen Waldbrandkarten, die sie ins Internet stellen. Das erste weltweit abrufbare Beobachtungs- und Überwachungssystem für Brandbekämpfung soll helfen große Brände zu analysieren und den Schutz gegen das Feuer zu optimieren.

Aber die Feuerökologen wollen auch aktiv helfen. Goldammer möchte unter Leitung der Vereinten Nationen eine internationale Eingreiftruppe ins Leben rufen. Die Mitglieder dieser Truppe wären Feuerökologen, die Erfahrung mit Naturfeuern und ihrer Bekämpfung haben. Bittet ein Land die UN um Hilfe, machen sich die Global Firefighters auf den Weg in das Krisengebiet. Vor Ort stehen die Feuerexperten dann den örtlichen Behörden mit ihren Erfahrungen zur Seite. Die Truppe soll bereits in wenigen Jahren einsatzfähig sein.

"Let it burn"
Die Forschungsergebnisse der Feuerökologen haben in den letzten Jahren zu einem Umdenken in der Forstwirtschaft geführt - und das weltweit. Nicht jeder kleine Waldbrand, vorausgesetzt es besteht keine Gefahr für Menschen, wird jetzt sofort gelöscht, sondern erst einmal toleriert. Grund: Ein Waldbrand ist viel gefährlicher, wenn es schon lange Zeit nicht mehr gebrannt hat, und das Totholz sich immer höher stapelt. Brennt es dann irgendwann doch einmal, ist so viel Brennmaterial vorhanden, dass die Flammen nicht nur am Boden bleiben, sondern die alles vernichtenden Baumkronenfeuer entstehen. Die Flammen schlagen dann von Krone zu Krone und die Brände nehmen schnell riesige Dimensionen an. Erfahrungen zeigen, dass in Wäldern, in denen es regelmäßig brennt, seltener große Brandkatastrophen entstehen.

Schon die indianischen Ureinwohner Nordamerikas und die Aborigines kannten diese Devise Feuerverhütung durch Feuer und wandten sie regelmäßig an.

Feuerexperimente
Im Krüger Nationalpark werden seit mehr als 20 Jahren Feuerexperimente mit kontrolliert gelegten Bränden durchgeführt. Um ein optimales Feuermanagement zu entwickeln, werden auf verschiedenen Flächen in wechselnden Abständen und zu unterschiedlichen Jahreszeiten Brände gelegt. Auch hier in der Savanne erweisen sich die wiederkehrenden kleinen Feuer als effektivste Methode um große Brände zu verhindern. Allerdings werden die gezielten Feuer nicht in einem bestimmten Rhythmus angezündet, sondern sind abhängig von der Biomasse pro Hektar. Wird das Gewicht von vier Tonnen überschritten, lassen die Wissenschaftler den Flammen freien Lauf.

Aber trotz aller Forschungen zeigt sich immer wieder, dass die Verwundbarkeit der Menschen gegenüber Naturereignissen, wie Waldbränden, ansteigt. Das Verhältnis zwischen Mensch und Natur gerät weiter aus dem Gleichgewicht, weil der Mensch in immer mehr Naturräume eindringt und sie "verbraucht".

Quelle: http://www.g-o.de/dossier-detail-79-9.html

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